zurück zur StartseiteDiverse Kaltblutrassen

Boulonnais


Herkunft:
Bevor Cäsar über den Ärmelkanal setzte, um Britanien zu erobern, stationierte er länger mit seinen Reiterlegionen auf der Nord-West-Küste Galliens. Die Pferde mit einem hohen Anteil an Orientalen-Erbmassen sollen sich in der Gegend um Boulogne eingebürgert haben und die Grundlage für die Boulonnais-Rasse bilden. In weiterer Folge kam es zu Einkreuzungen von Arabern und Andalusiern in die einheimischen Pferde; durch Kreuzungen mit Mecklenburger-Deckhengsten, deutscher Herkunft, erhöhte sich dann auch das Gewicht des Boulonnais.
Die leichten Boulonnais-Stuten brachten früher den frischen Fang vom Meer nach Paris und waren allseits als “mareyeuses” bekannt: zweirädrige Gespanne, mit Fisch und Eis beladen, die den Weg von Boulogne nach Paris mit einer Geschwindigkeit von 4 Meilen pro Stunde (16 km/h) zurücklegten, wobei auf der gesamten Strecke Gespannwechsel stattfanden.

Exterieur:
Der Boulonnais ist ein sehr elegantes, edles Kaltblut. Heute lassen sich zwei Typen unterscheiden:
• der kleiner Typ (mareyeur), der 1,55 bis 1,60 m erreicht und ein Gewicht zwischen 500 und 550 kg hat, wurde sehr selten;
• der größere Typ mit einer Höhe zwischen 1,60 und über 1,70 m, einem Gewicht von 700 kg, bisweilen über eine Tonne.
Die Rassemerkmale sind der elegante, kurze Kopf, mit breiter, flacher Stirn, sehr wachem und stolzem Auge, weiten Nüstern und kleinen beweglichen Ohren. Häufig stehkamm, dich und bemuskelt, die Mähne doppelt, üppig nicht zu lang. Breite Brust, gute Rippenwölbung, ideal ausgeprägte Schultern, gut gelagerter Widerrist, jedoch oft von der Bemuskelung überdeckt. Rücken gerade, Fundament kräftig, bemuskelt, Gelenke klar und fest, Sprunggelenke offen, Röhren kurz, wenig Behang am Fundament. Farbe: Grauer in Schattierungen, von sehr hellem bis dunklem Apfelschimmel, u. U. Rotfuchs.

Zuchtgebiet:
Boulonnais-Zuchtpferde gibt es in mehreren Departements Nord-West-Frankreichs, vor allem in Pas-de-Calais, Nord (Dünkirchen und Hazebrouck), Somme, Seine-Maritime und Oise. Das Hauptzuchtgebiet liegt jedoch:
• im unteren Boulonnais, im eigentlichen Hauptzuchtgebiet mit mittelgroßen und größeren Pferden;
• im oberen Boulonnais dem Landstrich mit mittelschweren Pferden;
• um Dünkirchen mit sehr schweren Pferden durch den Einfluß der flämischen Rasse.
Jeden Sommer findet im Wimereux im Pas-de-Calais eine eigene Boulonnais-Leistungsprüfung statt, an der sich die besten Zuchtpferde beteiligen.

Einsatzmöglichkeiten:
Der Boulonnais ist ein hervorragendes Zugpferd, energisch und arbeitswillig. Trotz des nunmehr geringen Bestandes genießt der Boulonnais auch einen sehr guten Ruf als Deckhengst für andere Zugpferderassen.
Der Boulonnais kommt immer mehr für Zugleistungen im landwirtschaftlichen Bereich oder für Repräsentationsgespanne zum Einsatz, ist aber auch ein hervorragendes Schlachtpferd mit sehr feinschmeckendem Fleisch und geringem Knochenanteil. Die Eleganz der Boulonnaisgespanne macht ihn zu einem beliebten Wagenpferd. Große Erfolge erzielt der Boulonnais auch bei Bauernrennen, Zugpferderennen (trait-tract) oder Fahrsport-Veranstaltungen.